Das Bellevue Parkhotel & Spa gehört zu den wenigen Hotelbauten im Alpenraum, die im gradlinigen Stil der klassischen Moderne erbaut wurden. Im Berner Oberland gibt es deren gerade zwei, in Adelboden kontrastiert der klare, schneeweisse 30er-Jahr-Bau mit dem rustikalen Dorf- und Landschaftsbild.
Die jüngst renovierte Fassade ist freilich nicht nur Fassade, sondern die Hülle eines ebenso stimmigen Innenlebens, das in den vergangenen Jahren von den Basler Architekten Buchner Bründler gestaltet wurde. Erleben Sie das zeitlos elegante Design Hotel, seine grosszügigen Räume, die die Natur buchstäblich ins Hotel wachsen lassen, und das hochwertige Möbeldesign ‒ vor der imposanten Bergkulisse von Adelboden.
Das Architekturbüro Buchner Bründler AG Architekten BSA wurde 1997 von Andreas Bründler und Daniel Buchner gegründet. Es besteht aus einem Team von rund dreissig Architekten, Innenarchitekten und Designern. Bereits in frühen Jahren haben die Architekten mit aussergewöhnlichen Wohnbauten auf sich aufmerksam gemacht.
2003 wurden sie in den Bund Schweizer Architekten (BSA) aufgenommen und erhielten den Swiss Art Award im Bereich Architektur. Als Resultat von verschiedenen Wettbewerbs-erfolgen konnten sie im In- und Ausland bedeutende, auch städtebauliche Projekte realisieren, u.a. das Volta Zentrum in Basel, ein Teil der Stadtwerder Wohnüberbauung in Bremen, den Raumkomplex GA 200 im Uno-Hauptsitz in New York und jüngst den Schweiz-Pavillon an der Weltausstellung in Shanghai. Seit mehreren Jahren widmen sich die Architekten auch der Lehre und Forschung. Seit Sommer 2010 sind sie als Entwurfsdozenten an der ETH Zürich tätig.
Über die fünf Umbauten wurde viel geschrieben:
Modulor: Die Geschichte einer Fassade
Hochparterre: Bergblick vom Zimmer aus
Ideales Heim: New Classic
Hotel Revue: Mit Eleganz, Charme und Stil
Modulor: Vierstufiger Umbau
Umbauen + Renovieren: Gemütliche Grandezza
Ideales Heim: Zu den Wurzeln
SonntagsZeitung: Wellnessjuwel im Berg
Neue Zürcher Zeitung: Neues Innenleben für alte Häuser
Umbauen + Renovieren: Magische Waldlichtung, Seite 1 | Seite 2
SonntagsZeitung: Wie im Wald
Hochparterre: Alpine Chic
Architektur polarisiert. Vor allem, wenn sie so besonders ist wie jene des Bellevue Parkhotel. Kaum ein Gebäude war so umstritten wie der modern, weisse und schnörkellose Bau oberhalb des Dorfes. Und kaum eines erzählt so eindrücklich davon, wie mutige Entscheidungen und ein tiefes Bewusstsein für Qualität am Ende belohnt werden: Was einst als Fremdkörper galt, ist heute ein architektonisches Juwel. Der Weg dahin war lang – und begann mit einem Feuer.
1901–1931 | Das erste Bellevue
Bereits 1901 stand an dieser Stelle ein Hotel Bellevue - ein Holzbau mit Türmen und Erkern, der sich selbstverständlich ins bäuerlich geprägte Dorfbild einfügte. Adelboden befand sich zu dieser Zeit mitten im Hotelboom: Zwischen 1887 und 1906 entstanden 17 neue Hotels, viele im Stil der Belle Époque. Lehrer und Bauern hofften, im Tourismus eine sichere Existenz oder gar Wohlstand zu finden. Nach dem Ersten Weltkrieg übernahm die Berner Kantonalbank das Haus und nutzte es als Sanatorium. 1926 kehrten mit Elisabeth und Hans Richard-Bohren wieder Gastgeber ins Bellevue zurück – bis der Brand von 1931 alles veränderte.
1931 | Auferstanden aus Ruinen
Was für eine Zäsur: 1931 brennt das Hotel Bellevue bis auf seine Grundmauern nieder. Ein Tiefschlag, wirtschaftlich und emotional zugleich. Für Elisabeth und Hans Richard-Bohren bedeutet der Brand jedoch nicht das Ende, sondern die Chance auf einen radikalen Neuanfang. Noch im selben Jahr entscheiden sie sich für einen Wiederaufbau, der mit allem bricht, was Adelboden bis dahin kannte.
Statt eines gemütlichen Holzhauses entsteht ein weiss verputzter Steinbau im Stil des Neuen Bauens: schnörkellos, klar, funktional und mit schmalen umlaufenden Balkonen. Die Architekten Urfer & Stähli aus Interlaken, bekannt für ihre progressiven und heute denkmalgeschützten Schwimmbadbauten in Wengen und Interlaken, liefern einen Entwurf ohne Kompromisse. Die Reaktionen im Dorf sind heftig. »Man war schockiert ob diesem Baustil. Das neue ‘Bellevue’ war ein Fremdkörper in der Landschaft. Niemand fand das schön und niemand konnte den abrupten Wechsel vom gemütlichen Holzhaus zu diesem Steinklotz verstehen«, kommentierte eine Dorfbewohnerin. Der Kontrast zur ländlichen Bauweise hätte auch kaum grösser sein können. Heute gilt ist das Bellevue Parkhotel eine Ikone der Schweizer Hotellerie.
1931–1971 | Eine Ikone der Schweizer Hotellerie
Ungeachtet der Ablehnung im Dorf fand das Bellevue Parkhotel schnell seine Gäste. Der Bau bot Licht, Luft und Komfort auf höchstem Niveau. Alte Prospekte zeigen, wie bewusst man mit der neuen Ästhetik und dem Lebensgefühl der Moderne spielte. Exklusiv war das Bellevue auch aus einem anderen Grund: Der Bundesrat hatte nach dem Ersten Weltkrieg ein Verbot für den Bau von Hotels erlassen – das Bellevue Parkhotel erhielt nur auf Grund des Brandes eines Bewilligung für einen Neubau und blieb damit das einzige Hotel der klassischen Moderne in Adelboden. Im gesamten Berner Oberland gibt es nur noch einen weiteren Vertreter dieser Bauart.
1958–1971 | Modern geht es weiter
Eine prägende Figur dieser Phase ist Beat Richard (1931–2001), der jüngere Sohn von Elisabeth Richard-Bohren. Architekturbegeistert und mit Studien an der ETH Zürich setzte er sich früh für die Weiterführung der modernen Architektursprache im elterlichen Betrieb ein. 1958 entsteht unter seinem Einfluss ein Erweiterungsbau mit Restaurant und Veranda. 1969 folgen der Scotch Club 69, ein ausgesuchtes Bar- und Abendlokal und eine neu gestaltete Gartenanlage mit spielerischen Betonelementen. Das Bellevue behält sich seine Modernität.
1971–1995 | Die Spuren des Rustikalen
Dann kippt der Zeitgeist. Rustikalität wird zum Erfolgsmodell im Tourismus. Auch das Bellevue passt sich an. Grosse Fenster verschwinden, Holz dominiert, das Licht weicht der Gemütlichkeit. Den Gästen gefällt es, wirtschaftlich zahlt sich der Kurs aus.
1983 entsteht der Gartenflügel mit 15 individuell gestalteten Zimmern. Er entspricht den damaligen Auflagen mit Satteldach und hohem Holzanteil und wird zum kommerziell erfolgreichsten Bau der Hotelgeschichte. Architektonisch jedoch hinterlässt er Spuren – ebenso wie die veränderte Eingangssituation von 1974. Für Puristen schmerzhaft, für Beat Richard ein persönlicher Verlust.
1991 | Moment der Vernunft
1990 steht eine umfassende Renovation an. Hans-Rudolf Richard denkt darüber nach, das Bellevue äusserlich wieder an den Holzbau von 1901 anzugleichen, mit Türmen und vollständiger Holzverschalung. Erste Zeichnungen entstehen und gelangen an Denkmalpflege und Heimatschutz. Deren Einwand jedoch ist deutlich: Geschichte darf nicht imitiert werden. Schon gar nicht, wenn hinter einer historisierenden Maske ein bauhistorisch wertvolles Gebäude verschwindet. Der Plan wird fallengelassen. Rückblickend ist dies einer der wichtigsten Momente der Hotelgeschichte und somit auch das architektonische Erbe an die nächste Generation.
2006–2015 | Rückkehr zur zeitlosen Eleganz
Die dritte Generation der Familie Richard greift diesen Gedanken auf. Für den grossen Umbau ab 2006 wählen sie die Basler Architekten Buchner Bründler. Gemeinsam erkennen sie das Potenzial des Hauses: nicht neu erfinden, sondern freilegen.In fünf Bauetappen wird das Bellevue behutsam zu seinen Wurzeln zurückgeführt. Grosszügige Grundrisse, Panoramafenster, eigens entworfenes Mobiliar und eine klare Materialwahl geben dem Haus seine räumliche Dramaturgie und zeitlose Eleganz zurück.
Der Umbau des Hallenbads und der Thermen 2009 greift die klare Geometrie der 1970er-Jahre auf. Mit Sichtbeton, Fichtenholz und dunklen Terrazzo wirkt der neu geschaffene Sauna- und Bädertrakt wie eine kristalline Höhle: aussen trutzig, innen zunehmend farbig und edel.
2013 folgen die Halle und das Erdgeschoss: Säulen, Kassettendecke und Fischgratparkett werden neu interpretiert. Vintage-Leuchten und Möbelklassiker von Finn Juhl, Hans J. Wegner oder Gio Ponti verleihen den Räumen eine Seele, eine Tiefe und eine zeitlose Eleganz.
2015 | Das Hotel als Bühne
Mit den neuen Classic-Südzimmern und der überarbeiteten Fassade schliesst sich der Kreis. Historisches Bildmaterial belegt: Die Originalfassade von 1931 besass Sprossen- und Kämpferfenster. Diese Erkenntnis führt zu einer Lösung, die Panorama, Nutzung und Denkmalschutz vereint. Der Gartenflügel tritt farblich zurück, das Hauptgebäude übernimmt wieder die Bühne.
Heute
Was einst Ablehnung hervorrief, steht heute für architektonische Haltung, Qualität und Kontinuität. Das Bellevue hat Moden kommen und gehen sehen, ist mitgegangen und hat widersprochen – und schliesslich zu sich selbst zurückgefunden. Ein Haus, das den Mut hatte, modern zu sein, als niemand bereit dafür war. Und dafür wird es heute geschätzt.