Bäume sind das Wahrzeichen des Hotels – seit drei Generationen und 125 Jahren. Das Bellevue Parkhotel & Spa, seit 1926 im Besitz der Familie Richard, wurde 1901 als eines der ersten Hotels von Adelboden erbaut. Nach einem Brand 1931 erfolgte noch im gleichen Jahr der Wiederaufbau – nun als Steinhaus und im Stil der klassischen Moderne.
Die Anfangszeit war bewegt und turbulent. Auf diese folgten Jahre des steten Auf- und Ausbaues zum heutigen Spa- und Ferienhotel.
In diesem Jahr – 2026 - feiert das Bellevue Parkhotel gleich ein Doppeljubiläum: 125 Jahre Bellevue Parkhotel und 100 Jahre Familie Richard als Inhaberin. Die vollständige Geschichte des Hotels erfahren Sie in drei Kapiteln:
1901 | Lehrer Fritz Allenbach lässt das Hotel Bellevue als Holzbau mit Seitentürmen und -erkern bauen. In Adelboden entstehen 1901 etliche weitere Hotels. Den Hotelboom lösen Lehrer und Bauern aus, die sich – vergleichbar mit den nach Amerika ausgewanderten Goldgräbern – vom neuen Geschäft Reichtum oder zumindest eine sichere Existenz erhoffen. Ganze Familien helfen als Bürgen bei der Finanzierung der Bauten mit. Parallel dazu erfährt Adelboden eine Art «Kolonisierung» durch Hoteliers aus dem inneren Oberland, das von englischen Touristen schon fünfzig bis siebzig Jahre zuvor erobert worden ist. Doch da sich in diesen Gebieten schon um die Jahrhundertwende eine Sättigung an Hotelbetrieben abgezeichnet hat, expandieren sie in das noch unberührte Engstligental. Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges erfährt die blühende Tourismusbranche einen ersten Rückschlag. Die Gäste bleiben aus, die Logiernächte sinken beträchtlich.
1919 | Nach Kriegsende übernimmt die Kantonalbank von Bern (heute Berner Kantonalbank) das Hotel Belleuve und baut es zu einem für damalige Begriffe modernen Hotel aus. Die Bäder, die in einem Teil der Zimmer eingebaut werden, entsprechen höchsten Komfortansprüchen. Das Bellevue wird als Kuranstalt mit Dr. G. Schaer als Arzt und A. Wenger als Hoteldirektor geführt und heisst fortan Parkhotel Bellevue.
1924 | Ende Winter stürzt eine Lawine vom Schwandfeldspitz – es gibt noch keine Lawinenverbauungen – zu Tal und bricht durch die Hotelmauern in den Speisesaal. Die Kellner sind gerade dabei, den Raum für das Mittagessen vorzubereiten. Es kommt glücklicherweise niemand zu Schaden.
1926 | Das jungverheiratete Paar Hans und Elisabeth Richard-Bohren kauft das Hotel. Doch mit dem Sanatoriumsbetrieb, in welchem Dr. Schaer seine Dauerkranken pflegt, tun sich die jungen Hoteliers eher schwer. Hans und vor allem der aus einer Grindelwaldner Hoteliersfamilie stammenden Elisabeth – sie wuchs mit sechs Geschwistern im heutigen Grandhotel Regina auf – schwebt vielmehr die Führung eines wirklichen Hotels vor. Es kommt zu einem Zielkonflikt mit Dr. Schaer. Schliesslich trennt sich das Ehepaar von ihm.
1928 + 1931 | Geburt von Hans Rudolf (1928-2007), dem ersten Kind, und Beat Peter (1931-2001), dem zweiten Kind.
1931 | Im März brennt das Hotel bis auf seine Grundmauern nieder. Die Ursache des Brandes bleibt unklar, es wird ein elektronischer Kurzschluss vermutet. Im gleichen Jahr wird das Hotel von den progressiven Architekten Urfer & Stähli aus Interlaken – sie zeichneten auch für die modernen, heute unter Denkmalschutz stehenden Schwimmbaubauten von Interlaken und Wengen verantwortlich – als Steinhaus und im Stil der klassischen Moderne wieder aufgebaut.
Die Architektenwahl ist mutig, denn der Neubau ist bedingungslos modern und stösst bei der einheimischen Bevölkerung teilweise auf Entrüstung, zumal er mit dem bäuerlich geprägten Bild von Adelboden stark kontrastiert. Hotelbauten, die im Stil des Neuen Bauens errichtet sind, sind im Schweizer Alpenraum rar. Im Berner Oberland gibt es deren gerade zwei. Dies hat einen Grund: Nach dem Ersten Weltkrieg erlässt der Bundesrat ein Hotelbauverbot, das bis nach dem Zweiten Weltkrieg Gültigkeit hat. Nur weil es sich beim Parkhotel Bellevue um einen Ersatzbau handelt, darf das Hotel neu errichtet werden. Es genügt höchsten Komfortansprüchen. Wie auch alte Prospekte zeigen, betonen die Hotelbetreiber die Ästhetik der neuen Zeit und das neue Lebensgefühl.
1935 | Hans Richard stirbt im Alter von 41 Jahren an Tuberkulose. Seine Frau Elisabeth führt das Hotel vorwiegend allein weiter.
1943 | Zu den historischen Schlüsseldaten gehört der Besuch von General Guisan mit seiner gesamten Heeresführung anlässlich der Schweizerischen Skiarmeemeisterschaften.
1944 | Der Bund lässt das Hotel für militärische Zwecke beschlagnahmen und quartiert ca. 40 amerikanische Flieger als Internierte ein. «Normale Gäste» werden nicht mehr beherbergt. Die Neutralitätspolitik der Schweiz gebietet die Internierung von notgelandeten amerikanischen Fliegern, die so nicht mehr für weitere Bombenangriffe gegen Deutschland eingesetzt werden können. Der amerikanischen Flugbesatzung – alles Offiziere und Unteroffiziere – werden keine Internierungslager zugemutet. Zwar lässt der Bund die Flieger von einem Bewachungsdetachement überwachen. Das tut jedoch dem luxuriösen Lebenswandel der Amerikaner keinen Abbruch. Sie führen ein Leben in Saus und Braus. Zeugnis davon ist auch der nie wieder erreichte Whiskyverkauf der damaligen Zeit.
Der Zweite Weltkrieg und die Nachkriegsjahre stellen die grösste Zäsur in der Geschichte des Hotels dar. Auch nach dem Krieg bleiben die Gäste aus – die Schweizer zieht es für Ferien ins Ausland, den ausländischen Gästen fehlen die Mittel für eine Reise in die Schweiz. Eine Erholung stellt sich erst Mitte der Fünfzigerjahre ein, nicht zuletzt dank der Errungenschaft des bezahlten Urlaubes, der sich nach und nach in allen Gesellschaftsschichten etabliert.
1958 | Das Hotel wird mit einem eingeschossigen Anbau auf der Südwestseite erweitert. Es entstehen ein neuer Speisesaal sowie im Untergeschoss ein Spielraum für Erwachsene mit Indoorcurling und -golf.
1964 | Der Bau von 1964 stellt ein Meilenstein im Aufbau des Hotels dar. Auf der Rückseite des Hotels wird eine leistungsfähige Küche mit Lager- und Kühlräumen gebaut. Ab 1964 arbeiten die beiden Söhne Hans Rudolf und Beat ständig im Betrieb mit.
1966 | Heirat von Hans Rudolf Richard (1928-2007) und Julia Dudler (1939-2010). Zwischen 1967 und 1974 kommen die fünf Kinder des Ehepaares zur Welt: 1967 Andreas, 1968 Franziska, 1970 Annemarie, 1971 Bernhard und 1974 Hans Rudolf.
1969 | Beat Richard realisiert nach einigen Semestern an der ETH in Zürich den Erweiterungsbau des Scotch Clubs 69, ein nach englischem Vorbild gestaltetes Dancing mit Bar und Restaurant, das er sodann auch betreibt. Der riesige Fels im ausgesucht eingerichteten Lokal erlangt bald einmal über die Kantonsgrenzen hinaus Berühmtheit wie auch die Live-Jazzmusik und die auf französische Bistrogerichte und Klassiker ausgerichtete Küche. Der Scotch Club 69 wird zum Treffpunkt der Ausgehfreudigen. Selbst aus Bern und weiter strömt das Publikum für einen Abend ins Engstligental.
1970 | Hans Rudolf und Julia Richard übernehmen nach dem Tod von Elisabeth Richard offiziell die Führung des Hotelbetriebes. Beat Richard leitet den Scotch Club 69. Ein Jahr später scheidet er aus dem Betrieb aus und übernimmt den Gasthof Hirserenbad im emmentalischen Ursenbach.
1970–1995 | Die schwierigen Jahre sind endgültig vorbei. Mit dem Betrieb geht es Jahr für Jahr aufwärts, was sowohl dem konjunkturellen Aufschwung wie auch einer umsichtigen Geschäftsführung zuzuschreiben ist. Das Ehepaar setzt auf die individuelle und persönliche Betreuung der Gäste. Der kontinuierliche Aufbau ermöglicht in den folgenden dreissig Jahren immer wieder grössere bauliche Investitionen: 1972 wird der Bau des Hallenbades realisiert, 1974 werden Hoteleingang, Reception und Halle neu gestaltet. In den Achtzigerjahren erkennt man das Gästebedürfnis nach Individualität und baut 1983 mit dem Gartenflügel, einem in den Garten hineinreichenden Zimmertrakt, zwanzig völlig unterschiedlich gestaltete Zimmer und Familienappartements. 1991 werden die Zimmer im Haupthaus renoviert.
1995 | Andreas Richard übernimmt als Direktor im Alter von 28 Jahren die Führung des Hotels. Seine Mutter Julia unterstützt ihn weiterhin, Hans Rudolf Richard hingegen zieht sich altershalber aus dem operativen Geschäft zurück.
1999 | Der Lothar-Sturm sorgt auch im Hotel für einen abenteuerlichen Jahrtausendwechsel und wirft den Betrieb vom 26. bis 30. Dezember in mittelalterliche Verhältnisse zurück. Der vor allem über Frankreich und die Schweiz fegende Sturm lässt am Stefanstag die gesamte Stromversorgung des Ortes zusammenbrechen. Während der kommenden vier Tage gilt es, ohne Elektrizität und ohne warmes Wasser auszukommen. Festtagsstimmung kommt in der Altjahrswoche dennoch auf. Die mehrgängigen Festtagsmenüs werden an der Feuerstelle und mit Hilfe von Gasherden gekocht und bei Kerzenlicht aufgetragen. Nicht wenige Gäste können – wie Einträge im Gästebuch zeigen – der Ausnahmesituation durchwegs etwas Positives abgewinnen.
2000 | Durch den starken Schneefall im Februar kommt es zu einer Verschüttung der Strasse Frutigen–Adelboden – der Ort bleibt mehrere Tage von der Umwelt abgeschnitten. Mit der steigenden Lawinengefahr ordnen die Behörden, sich an die «Bellevue-Lawine» von 1924 erinnernd, die Evakuierung der Hotelgäste an – dies, obschon der Berg mittlerweile mit einer starken Lawinenverbauung vor herabstürzenden Schneemassen geschützt ist. Aufnahme findet das gesamte Parkhotel für drei Tage im Hotel Regina.
2001 | Grosser Ausbau des Wellness-Centers «pour». Es entstehen ein Sole-Freibad und grosszügige Ruhepavillons im Garten, im Erdgeschoss Beauty- und Massageräumlichkeiten sowie ein Fitnessbereich. Das Hotel heisst fortan Parkhotel Bellevue & Spa.
2006, 2008 + 2009 | Bauen mit den Basler Architekten Buchner Bründler. Sie realisieren den Umbau der Restaurants mit Bar + Lounge (2006), die Renovierung von 22 Zimmern und Suiten (2006 + 2008) und zeichnen für die Komplettsanierung des Hallenbades mit Saunas und Dampfbädern (2009) verantwortlich.
2010 | Das Ehepaar Irene und Martin Müller übernimmt die Direktion des Parkhotels Bellevue. Das Hotel bleibt in Familienbesitz.
2013 | Umbau des Erdgeschosses mit Hoteleingang, Halle und Restaurant. Der Umbau wird in Zusammenarbeit mit den Architekten Buchner Bründler realisiert.
2015 | Denise Mani und Daniel Schüpfer leiten seit Frühling 2015 die Geschicke des Hotels. Im Frühling 2015 kommt es auch zu einem umfassenden Umbau von 21 Südzimmern im Haupthaus. Dabei werden die Grundrisse und einige Fensterpartien vergrössert. Die geringfügige Veränderung der historischen Fassade geschieht in enger Zusammenarbeit mit dem Heimatschutz.
2018 | Im November übernimmt Franziska Richard, Mitglied der Besitzerfamilie Richard, die Direktion des Hotels.
2022 | Im April erfolgt die Mitgliedschaft bei der Hotelvereinigung Relais & Châteaux.
Die Bellevue-Geschichte ist reich an spektakulären Ereignissen und charmanter Alltagskultur.
Ein Lehrer eröffnet ein Hotel. Was heute eher nach Selbstverwirklichung tönt, ist charakteristisch für die Frühzeit des Tourismus in Adelboden. Denn der aufkeimende Tourismus in Adelboden verspricht so manchem Einheimischen eine goldene Zukunft! Ganze Familien helfen als Bürgen bei der Finanzierung der Bauten mit. Auch der Lehrer Friedrich «Fritz» Allenbach (1874-1942) findet Gefallen an der Idee, ein Hotel zu bauen und zu betreiben. Nach dem Besuch des Lehrerseminars Muristalden in Bern und einigen Jahren fällt er einen wegweisenden Entscheid: Er wird mit Frau Sophie (1880-1927) Hotelier! Ende 1900 werden im Innerschwand Profile aufgestellt, 1901 erfolgt der Spatenstich zum Pensionsgebäude «zum Bellevue». 1902 erfolgt die erste Winter- und Sommersaison.
Die ersten Jahre des «Bellevue» sind von Erfolg gekrönt. Fritz und Sophie (geborene Gempeler) scheinen gute Gastgeber zu sein. Schon früh empfangen sie prominente Gäste wie 1903 die Familie des britischen Kolonialministers Joseph Chamberlain.
Doch bereits 1908 kommen erste Gerüchte auf, Allenbach könne seine Rechnungen nicht mehr bezahlen und stehe in Verkaufsverhandlungen. 6 Jahre später, im Sommer 1914, übernimmt die neu gegründete Aktiengesellschaft Hotel Bellevue AG das Hotel von Fritz Allenbach. Die Aktionäre stammen teilweise aus der Verwandt- und Bekanntschaft.
Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges stellt für den Tourismus eine Zäsur dar. Die neuen Bellevue-Besitzer verlieren in dieser Zeit hohe Summen, und 1919 erfolgt der Einstieg der Kantonalbank von Bern (heute BEKB). Mit neuer Finanzkraft soll das Haus renoviert und – neu als Sanatorium – betrieben werden. Mit ärztlicher Betreuung, einer Diätküche, Bade-, Sonnen- und Liegekuren adressiert man sich fortan an kranke und erholungssuchende Menschen.
Diese Ausrichtung war nicht von langer Dauer. Bereits im Herbst 1926 kauft das jung verheiratete Paar Hans und Elisabeth Richard-Bohren das Haus. Elisabeth, die aus einer Hoteliersfamilie stammt und mit sechs Geschwistern in der Regina Alpenruhe in Grindelwald aufgewachsen ist, tut sich mit dem Betrieb rund um die Dauerkranken schwer. Alsbald beendet das Paar die Sanatorium-Ära und führt den Betrieb fortan wieder als klassisches Ferienhotel.
Nach ersten 25 turbulenten Jahren als Winterpionier, Sehnsuchtsort, Verlustgeschäft und Kuranstalt startet das Hotel 1926 ein neues, mittlerweile 100-jähriges Kapitel unter der Leitung der Familie Richard.
Den Expansionsgelüsten der Hoteliers des östlichen Berner Oberlands verdanken wir unser Dasein. Denn während der Tourismus bei uns im westlichen Berner Oberland erst um die Jahrhundertwende (des 19. Jh.) zum Blühen kam, florierte dieser im östlichen Oberland, dem heutigen Jungfraugebiet, schon ein halbes Jahrhundert früher. Nicht unwesentlich war dabei der Boom des Skifahrens, der in den 1880er-Jahren einsetzte. So wurde der Platz knapp am Fusse von Eiger, Mönch und Jungfrau und nichts lag näher, als das noch unberührte westliche Oberland zu erobern.
Zum Hotelboom im westlichen Berner Oberland trugen auch Lehrer und Bauern bei, die sich – vergleichbar mit den nach Amerika ausgewanderten Goldgräbern – vom neuen Geschäft Reichtum oder zumindest eine sichere Existenz erhofften. So war es auch ein Lehrer, Fritz Allenbach, der 1901 das Bellevue erbauen liess und es selbst betrieb, bis es 1919 an die Berner Kantonalbank überging
Zu eng wurde es auch Fritz Bohren und seiner englischen Ehefrau Caroline (ledig Trovey) mit den sechs Kindern, die in einer Familiengemeinschaft das Regina Hotel Alpenruh in Grindelwald besassen. Nach dem Ausscheiden aus der Familiengemeinschaft erwarb Fritz Bohren für die beiden Töchter Elisabeth und Bertha zwei Hotels, eines in Grindelwald, das andere in Adelboden. So kam es, dass Elisabeth Richard-Bohren mit ihrem frisch vermählten Mann Hans 1926 nach Adelboden ins Bellevue übersiedelte.
GIs im Bellevue
1944 liess der Bund das Hotel für militärische Zwecke beschlagnahmen und quartierte ca. 40 amerikanische Flieger als Internierte ein. «Normale Gäste» wurden nicht mehr beherbergt. Die Neutralitätspolitik der Schweiz gebot die Internierung von notgelandeten amerikanischen Fliegern, die so nicht mehr für weitere Bombenangriffe gegen Deutschland eingesetzt werden konnten.
Der amerikanischen Flugbesatzung – alles Offiziere und Unteroffiziere – wurden keine Internierungslager zugemutet. Zwar liess der Bund die Flieger von einem Detachement bewachen. Dies tat jedoch dem luxuriösen Lebenswandel der Amerikaner keinen Abbruch. Sie führen ein Leben in Saus und Braus. Zeugnis davon ist auch der nie wieder erreichte Whiskyverkauf der damaligen Zeit.
Überhaupt brachten die amerikanischen Internierten mit ihrem «American Way of Life» das Bergdorf in Wallung. «Sie waren aufgeschlossen, freundlich, fuhren gerne Ski und belebten die Bars», erinnert sich der Adelbodner Chronist Christian Bärtschi. «Es kam zu Freundschaften und Liebschaften. Gewisse GIs halfen auch in der Landwirtschaft mit. Man interessierte sich für sie und wollte ihnen umgekehrt etwas bieten.»
1923 | Lawine im Speisesaal
Im Dezember stürzt eine Lawine vom Schwandfeldspitz – es gibt noch keine Lawinenverbauungen – zu Tal und bricht durch die Hotelmauern in den Speisesaal. Die Kellner sind gerade dabei, den Raum für das Mittagessen vorzubereiten. Während erste, eiligst verbreitete, Zeitungsnachrichten das Schlimmste befürchten lassen, kann das Oberländer Tagblatt am 29.12. Entwarnung geben: Keine Menschen sind verletzt worden, der Sachschaden ist angesichts der Schneemassen überschaubar. Das Hotel Bellevue ist von einer Katastrophe verschont geblieben.
1999 | Lothar-Sturm
Der Lothar-Sturm richtete gewaltige Schäden an Wäldern an und liess am 26.12. die gesamte Stromversorgung des Ortes zusammenbrechen. Auch im Hotel sorgte der Sturm für einen abenteuerlichen Jahrtausendwechsel und warf den Betrieb bis 30. Dezember in mittelalterliche Verhältnisse zurück. Während 5 Tagen galt es, ohne Strom und warmes Wasser auszukommen! Festtagsstimmung kam dennoch auf. Die Menüs wurden an der Feuerstelle und mit Hilfe von Gasherden gekocht und bei Kerzenlicht aufgetragen.
2000 | Hotelevakuierung
Durch den starken Schneefall im Februar kommt es zu einer Verschüttung der Strasse Frutigen–Adelboden. Der Ort bleibt mehrere Tage von der Umwelt abgeschnitten. Mit der steigenden Lawinengefahr ordnen die Behörden die Evakuierung der Hotelgäste an; dies, obschon der Berg mittlerweile mit einer starken Lawinenverbauung geschützt ist. Aufnahme findet das gesamte Parkhotel für drei Tage im damaligen Hotel Regina.
Bei jeder Ankunft des Postautos ging der Portier, in Uniform gekleidet, hinunter zur Post. Das Gepäck der Hotelgäste wurde im Winter mit dem Hornschlitten, im Sommer mit einem grossen zweirädrigen Leiterwagen transportiert.
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Auf kühlende Getränke mit Eis mussten die Gäste auch im Sommer nicht verzichten, obschon es noch keine Eisschränke gab. Dafür hatte es hinter dem Ho-tel ein unterirdisches Eishaus, dessen Eisproduktion bis in den Sommer hielt. Schon bald aber wurde dieses Vorgehen durch Eisschränke ersetzt. Das Eishaus diente uns Knaben dann für diverse Freizeitaktivitäten.»
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«Die Gäste stellten abends die Schuhe vor die Zimmertüre. Der Portier reinigte diese am Morgen in aller Früh im Keller und deponierte sie wieder vor den entsprechenden Hotelzimmern.
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Bis in die frühen 1980er-Jahre buchten die Gäste nicht Halbpension, sondern Vollpension. Es gab jeweils ein einheitliches 3-Gang-Menü. Zum Essensaufruf gingen die Kinder der Hoteliere mit einem Gong das Treppenhaus hinauf und hinunter – die Gäste erschienen dann im Speisesaal.
Aus der Pfarr-Chronik 1899-1912
Adelboden ist ein Fremdenkurort geworden. Die Fremdenindustrie hat der Bevölkerung des Dorfes Innerschwand grosse materielle Vorteile gebracht. Die verschiedenen Handwerke blühen und gedeihen. Arbeit gibt es überall die Hülle und die Fülle, und sie wird sehr gut bezahlt. (…)
Aber – da kommt das Aber der Schattenseite des grossen wirtschaftlichen Aufschwungs! (…) Leider, wie überall, hat die Fremdenindustrie das Begehrvermögen potenziert. Die schnöden Triebe des Neides, der Habsucht, der Hoffahrt, der Üppigkeit bei vielen geweckt. (…)
Wir bekommen eine Eisenbahn nach Frutigen, welche unserer Gemeinde 40‘000 Franken Subventionen aufgehalst hat – nicht gerade ein sanftes Joch. Doch sind die Vorteile auch für unser Thal ja eminant, zumal erst, wenn einmal das grosse Lötschbergbahnprojekt realisiert worden, infolgedessen dann unsere Ortschaft in die Nähe einer Weltlinie London-Paris-Lötschberg-Simplon-Italien gerückt ist. Das Frutigland wird dann vielleicht eine Industriegegend werden. Schaden würde es nichts, (…) es hörte dann für manchen das alte kommode Faulenzerleben der Bergzeit auf.
Das Raufen, Schlägereien etc. haben entschieden abgenommen. Ursache ist die Erschliessung des Thales durch den Fremdenverkehr. Damit wurde dem lächerlich geschraubten Localpatriotismus die Hauptstütze entzogen. Man lernt andere Menschen kennen und sich mit ihnen vertragen. (…) Die Hofart der Töchter dagegen, ein nicht minderes Laster als das Raufen, nimmt üppig zu. Ei, wie gespreizt schreiten sie einher nach der neusten Mode gekleidet – geschnürt, gedreht, frisiert à la Parisienne.
Über die Nachteile der Fremdenindustrie wäre noch zu sagen: Das Jagen nach Geld (…) beherrscht mehr und mehr alles (…). Aber die Fremdenindustrie hat auch Vorteile. Die früher so abgeschlossene Bevölkerung war häufig auf Inzucht angewiesen. Dies und der weitere Umstand des harten, primitiven Lebens leistete der Geisteskrankheit gewaltigen Vorschub. Es gibt fast keine Familie in Adelboden, in der Gemütskrankheit völlig unbekannt wäre.
1852 | Die Baudirektion in Bern rät von einer Strasse nach Adelboden ab, denn die Bevölkerung wird als «etwas leichtsinnig» und nicht besonders arbeitssam eingestuft.
1872 | Auch ohne Strasse verschlägt es 20 Jahre später Karl Rohr, Pfarrer am Berner Münster, als ersten Kurgast nach Adelboden.
1875 | Mit dem «Schlegel Hari» wird das erste Hotel in eröffnet.
1884 | Die neue Strasse kommt doch und wird nach 8-jähriger Bauzeit eröffnet – sie steht als Geburtsstunde des Adelbodner Tourismus.
1887 | Zwischen 1887 und 1906 setzt der grosse Bauboom von Hotels ein. 1906 gibt es 17 Hotels, unter ihnen auch die Grand Hotels Wildstrubel, National und Regina. Das Hotel Bellevue wird 1901 als 9. Hotel erbaut.
1903 | Erstes Schweizerisches Skirennen; das Skifahren wird populär. Die ersten Wintergäste weilen 1901 im Grand Hotel.
1912–1914 | Die Bahnprojekte Kandersteg-Adelboden und Frutigen-Adelboden werden diskutiert, am Ende jedoch abgelehnt.
1914 | Mit dem Ausbruch des Krieges erfährt die blühende Tourismusbranche einen herben Rückschlag. Die Logiernächte sinken beträchtlich; die einheimische Bevölkerung leidet unter Armut.
1917 | Beginn des konzessionierten Automobilverkehrs Frutigen-Adelboden.
1917 | Die spanische Grippe erfasst auch die Bevölkerung von Adelboden.
1923 | Im Dezember stürzt eine Lawine vom Schwandfeldspitz zu Tal und bricht durch die Hotelmauern in den Speisesaal. Es kommt glücklicherweise niemand zu Schaden.
1931 | Bau des Schwimmbades Gruebi. Die Architektur des Bades von Béda Hefti gilt als typischer Vertreter des neuen Bauens.
1935+1936 | Zur Erschliessung des Skigebietes Geils/Hahnenmoos wird der Busbetrieb von Karl Geiger aufgenommen. Im gleichen Jahr befördert das FRAM erstmals Gäste von Geils auf Hahnenmoos.
1937 | Mit der Engstligenbahn Adelboden wird die erste Schwebebahn im Kanton Bern gebaut.
1944 | Der Bund quartiert amerikanische, englische und französische Internierte in sieben Adelbodner Hotels ein, unter ihnen auch das «Bellevue».
1939-1945 | Während der Kriegsjahre erfährt der Tourismus Adelbodens den grössten Rückgang. Eine Erholung stellt sich erst Mitte der Fünfzigerjahre ein.
1951 | Erste Schweizerische Skimeisterschaftswoche (alpin und nordisch)
1955 | Erster internationaler Adelbodner-Skitag (später Weltcup)
1960 | Eröffnung der Kunsteisbahn mit Curlinghale
1970 | Beim Unwetter überschwemmen Uelis- und Schrenzigraben die Dorfstrasse
1984 | Wegen eines Felssturzes bei Hohstalden im Januar bleibt die Strasse Adelboden-Frutigen geschlossen
1990 | Gewaltiger Föhnsturm – 20 Stunden ohne Strom
1990/91 | Eröffnung der Sillerenbahn, die neu das erweiterte Skigebiet Geils/Hahnenmoos/Silleren erschliesst. Der Busverkehr wird eingestellt.
1996 | Brand des Hotels Nevada
1997 | Der Aeugiweg wird durch Bundesrat Adolf Ogi eröffnet.
1999 | Der Orkan «Lothar» wütet im Tal und stellt in der Altjahrswoche die gesamte Stromversorgung lahm.
1999-2013 | In dieser Zeitspanne verschwinden vielerorts die alten (Bügel)lifte und werden mit modernen Sesselbahnen ersetzt: 6er-Bahn Aebi-Silleren (1999), 4er-Bahn Tschentenalp (2001), 4er-Bahn Chuenisbärgli (2005), 6er-Bahn Bühlberg (2006), 4er-Bahn Geils-Lavey (2007) und Hahnenmoosbahn (2013)
00er-Jahre | Eröffnung von verschiedenen Themen-Wanderwegen
2004 | Erste Durchführung des Berglaufes «Vogellisi» von der Oey auf den Sillerenbühl
2007 | Eröffnung des Tropenhauses in Frutigen mit Aquakultur und Restaurant
2008 | Eröffnung des Klettersteigs von Unter dem Birg auf die Engstligenalp.
2011 | Eröffnung der Freizeit- und Sportarena Adelboden mit Eishalle und Curling-, Bowling- und Kletterhalle.
2011 | Erste Durchführung des «Swiss Chamber Musiv Festival»
2012 | Der Kaviars aus dem Tropenhaus Frutigen kommt erstmals in den Verkauf
2015 | Eröffnung der neu erstellten Höchstbahn. Sie verbindet die Ski- und Wandergebiete Chuenisbärgli und Hahnenmoos/Silleren.
2016 | Globi auf der Engstligenalp. Mit Globi-Route und Globi-Bahn.
2016 | Eröffnung der Bierbrauerei «Bärgbier»
2017 | Freilichttheater «Vogellisi» in Steffisburg, womit die Figur eine neue Identität und Geschichte erhält.
2018 | Erweiterung der Destination zu Adelboden-Lenk-Kandersteg
2018 | Eröffnung der Rösterei Adelboden (Kaffee)
2018 | Eröffnung des Schlittelparkes auf Tschenten
2019 | Wiedereröffnung des denkmalgeschützen Aussenbades «Gruebi» nach umfassender Sanierung
2019 | Eröffnung des Erlebnisweges «Vogellisi» auf Sillerenbühl
2022 | Erstmalige Durchführung von «Wildstrubel by UTMB», dem Langstrecken-Bergrennen rund um das Wildstrubelmassiv
2025 | Erste Durchführung des Musikfestivals «Adelboden Live»
2026 | Eröffnung von Update Fitness, dem neuen Center für Fitness und Krafttraining.
Und das sind einige Protagonisten aus der ersten und zweiten Generation:
Eine gute Gastgeberin sei Elisabeth Richard gewesen, erzählen uns Verwandte. Nicht überschwänglich, aber aufmerksam, sorgfältig, das Wohl des Gastes stets im Mittelpunkt. Ihre «Hotelerziehung » genoss sie im elterlichen Betrieb. Anders als ihre Brüder absolvierte sie weder eine Ausbildung noch Wanderjahre. Bereits in jungen Jahren reifte sie zur verantwortungsbewussten Persönlichkeit heran. Auf die Probe gestellt wurde sie in ihrem bewegten und reichen Leben mehrmals.Nach dem frühen Tod ihres Mannes Hans führte die 34-jährige Witwe das Hotel mit bemerkenswerter Hartnäckigkeit weitgehend alleine weiter und zog gleichzeitig ihre beiden Söhne Hans-Rudolf (*1928) und Beat (*1931) und ihren Neffen Eduard Bohren (*1934) gross. Zweifelsohne gab Elisabeth Richard dem Hotel seine bis heute bewahrte Prägung. Gute Hotellerie bedeutete für sie Komfort, Service, gute Küche und Gastfreundschaft, nicht aber Pomp und Glamour. Das Bellevue, das immerhin in der Blütezeit der Grand-Hotels erbaut wurde, war meilenweit von deren Charakter entfernt, und somit seiner Zeit voraus. Denn die pompösen Palace-Hotels stiessen mit dem veränderten Zeitgeist der Nachkriegsjahre nur noch auf Ablehnung.
Sein Büro befand sich an bester Lage, im Erker des heutigen Speisesaals Fidelio: Gut geschützt vor unliebsamen Störungen und doch am Puls des Geschehens mit Blick auf die an- und abreisenden Gäste. Dies beschreibt in etwa auch seine Stellung im Betrieb. Hans-Rudolf Richard hatte stets den Überblick, aber er verschaffte sich diesen nicht an vorderster Front. Sein Reich: das Büro. An der Weiterentwicklung des Hotels lag ihm viel: Er war ein Erneuerer, vorausblickend, risikofreudig und sorgfältig zugleich. Statt eine Laufbahn als Fürsprecher anzupeilen – das Studium schloss er 1955 ab –, entschloss er sich bewusst, nach Adelboden zurückzukommen und in den elterlichen Betrieb einzusteigen. Das Wohl des Ortes war ihm ebenfalls sehr wichtig. Er engagierte sich in diversen Gremien, so im Gemeinderat, im Kur- und Verkehrsverein, im Verkehrsverband Berner Oberland und für die WIR-Genossenschaftsbank. Ein Meilenstein in seinem Leben war die Realisierung der Sillerenbahn, für welche er mit ein paar anderen Adelbodnern zehn Jahre lang hart kämpfte. Er hatte ein spitze Feder und hob gerne zu pointierten Reden an. Seine Lebenskraft und sein Optimismus halfen ihm auch, die Krebserkrankung im Jahr 1987 zu überwinden. Acht Jahre später zog er sich aus dem operativen Geschäft zurück und fand im «neuen Leben» ebenfalls grosse Erfüllung.
Der grüne Daumen war ihr Markenzeichen, auch die ausgeprägte Freude am Kontakt mit Menschen. Julia Richard, eine elegante Erscheinung, war die Seele des Hauses: grosszügig, herzlich, mit einem aufrichtigen Interesse am Gegenüber. Das Hotel war ihr Lebenselixier. Legendär waren ihre Roesti vom Kamin und die begleiteten Wanderungen. Perfektionistisch und fordernd war sie natürlich auch. Schlecht sah es für einen Kellner aus, der sich die Liederlichkeit leistete, einem Gast einen halbwarmen Kaffee zu servieren. Das konnte sie in Rage bringen, es verletzte ihren Berufsstolz zutiefst.
Die Gärtnerstochter aus der Ostschweiz lernte das Metier von der Pike auf. Sie absolvierte eine Hotelfachschule, lernte im Ausland Sprachen, sammelte Erfahrungen als Chef de service. Ihre Domänen waren Küche, Service, Garten, Hauswirtschaft, Mitarbeiterführung – dies neben ihrer Rolle als fünffache Mutter. Das Ehepaar ergänzte sich gut. Mit ihrer Präsenz beim Gast und Mitarbeiter hielt sie ihrem eher ruhigen Ehemann den Rücken frei für die Arbeit im Büro und für Engagements ausserhalb des Hotels. Auf diese Hilfe konnte später auch ihr Sohn Andreas zählen.
Das Ehepaar machte keine Trennung zwischen Beruf- und Privatleben. Ihr Leben fand mit den Kindern im Hotel statt – als untrennbares Ganzes. Julia Richard war in mancher Hinsicht das, was man einen Naturmenschen nennen könnte. Die Natur ist stärker als der Mensch. Diese Einsicht half ihr auch bei ihrer späteren Erkrankung.